Buchbesprechung: Tote Poeten und Pickelstift – Kooky Rooster

tote Poeten

Klappentext:
Während sich die Mitschüler ins pralle Leben stürzen, verkriecht sich Erik in seinem Zimmer und schreibt erotische Liebesgedichte. Dass er im vergangenen Jahr vom kleinen Fettsack zum schönen Schwan gereift ist, hat er noch nicht verinnerlicht. Den Blick gesenkt eilt er durch die Schulflure und hofft, unsichtbar zu sein – außer für Jonas, den coolen Typen mit dem Motorrad und der schwarzen Lederkluft. Seinetwegen tritt er der Theatergruppe bei und brilliert in der Rolle des Cyrano. Seinetwegen weiß er auch, wie es ist, sich nach jemandem zu verzehren, den er nicht kriegen kann. Denn Jonas ist Lehrer, mit Haut und Haar. Niemals würde er seine Karriere für eine Affäre mit einem Schüler aufs Spiel setzen. Allerdings hat Jonas eine Schwäche für Poeten und Erik ist ein Poet …
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Gestern habe ich das Buch beendet und musste es erst sacken lassen. Auch heute noch habe ich Schwierigkeiten, die Geschichte zu (er)fassen.
Auf den ersten Blick ist es eine typische Schwärmerei eines – bis vor kurzen noch dicklichen, pickeligen Teenagers für seinen Lehrers. Hier dachte ich erst „och nee… ist so gar nicht meins“ und wollte das Buch eigentlich schon wieder weg legen. Dann dachte ich mir, dass die vielen 5* Rezensionen ja irgendwo her kommen müssen und habe weitergelesen. (Achtung, nun könnte es spoilern…)

Es folgte – klar – eine Liebesgeschichte, die niemals einfach und doch so feinfühlig ist, aber auch Einblicke in die Lebensgeschichten der verschiedenen Protagonisten zeigt. Auf Eriks Seite: die Mutter, die der Liebe ihres Vaters hinterher rennt und die an ihr ausgelebte Gleichgültigkeit ungefiltert an Erik weitergibt. Der Vater, der zwar scheinbar erfolgreich seine Karriere pflegt, aber zuhause unter dem Pantoffel seiner Frau steht. Großeltern mütterlicherseits, die auch ihr Scherflein zu tragen haben und Erik, der einfach sein – von sich gemachtes äußeres Bild – nicht aus dem Kopf bekommt. Jonas, der erfolgreiche, gut aussehende Traumtyp von Lehrer: cool, lässig, ein Idol für die Schüler, hat ebenfalls sein Päckchen zu tragen und ist nicht wirklich so taff wie er alle glauben lassen will. Einzig sein Freund Harry ist ihm in der zurückliegenden Zeit der Rückhalt gewesen, den jeder Mensch braucht. Ach ja Harry… wenn ich ihn duplizieren könnte, säße er jetzt hier.

Dazu die Poesie, die immer wieder in kurzen „Einblendungen“ einen Einblick in das Seelenleben Eriks zeigt. Seine Entwicklung vom „hässlichen“ und introvertierten Teenager zum gut aussehenden jungen Mann, der mit dem steigendem Selbstbewusstsein, welches durch seine Liebe zu Jonas und dem Kampf den er ausfechten muss, um dessen Liebe zu bekommen und zu behalten, wächst, werden durch Kooky Rooster in ihrer unnachahmlichen Schreibweise erzählt. Alleine das Gedicht beim Poetry Slam zeigt allzu deutlich, was in Erik die ganze Zeit über vorgegangen ist. Ich ziehe hiermit meinen Hut vor der Schreibkunst der Autorin.

Es wird in diesem Buch nicht nur eine schwierige, nichtsdestotrotz sehr schöne Liebesgeschichte erzählt, nein, auch die „Nebendarsteller“ werden so geschildert, dass man sie „greifen“ kann. Man sitzt vor diesem Buch und möchte manchen Personen am Liebsten in den Allerwertesten treten und  andere einfach in den Arm nehmen und sagen, dass doch alles nicht so schlimm ist. Dies ist mir in dieser Form noch nicht oft passiert, vielleicht sitze ich deswegen heute noch hier und „verarbeite“ diese Geschichte und setze nicht einfach ein Ende dahinter.

Fazit:  Ein Buch mit einem für mich schwierigen Einstieg, das ich in meiner Bibliothek nicht mehr missen möchte und mit Sicherheit nicht das letzte Mal gelesen habe. Sollte ich zum Ende des Jahres  „Das Buch 2015“ wählen müssen, wäre „Tote Poeten und Pickelstift“ ganz sicher ganz vorne mit dabei.

Liebe Kooky Rooster, für dieses wunderbare Buch von mir

💜 💜 💜 💜 💜

fàilte

El Ma

Format: Kindle Edition

Dateigröße: 1793 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 444 Seiten
Verlag: BookRix (6. August 2015)
Preis:  € 4,99

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11 Kommentare zu “Buchbesprechung: Tote Poeten und Pickelstift – Kooky Rooster

  1. Oh, ich wusste, ich kenne dich. Jetzt habe ich geschnüffelt und dachte mir: Mensch, den Blog hast du auch schon mal besucht. 😀 Und dann les ich als erstes diese Rezension und muss meine ganze Planung über den Kopf werfen, weil ich jetzt unbedingt zuerst dieses Buch lesen möchte! Das ist echt doof. 😀
    Ich hatte ja schon damit gerechnet, dass dieses Buch super wird, aber ich traue den Rezensionen auf Amazon schon lange nicht mehr über den Weg und habe mich deshalb nur auf mein Gefühl verlassen, dass mir sagt, die Werke von Kooky Rooster sind immer super. Nun, jetzt weiß ich von jemanden, der offenbar einen ähnlichen Geschmack hat, dass dieses Buch definitiv super ist und jetzt MUSS ICH ES SOFORT HABEN!
    Ich bin sicher, ich werde es lieben. Obwohl es allerdings auch meinen bisherigen Favoriten für das „Buch des Jahres“ vom Thron stoßen kann, bleibt abzuwarten, weil das wirklich sehr, sehr schwer werden wird.

    Liebe Grüße,
    Jules

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  2. Lieber Jules, mein Mitleid hält sich hier in jedem Fall in Grenzen *lach* (es ist so ein tolles Buch).
    Auch bei mir wird es auf dem (gedanklichen) Siegertreppchen echt eng. Es gibt in diesem Jahr einige Bücher die mir nicht nur gefallen, sondern mich auch berührt haben.
    Allerdings gibt es auf meinem Reader auch ein Buch (BDSM), an das ich mich nicht so wirklich ran traue, hier würde ich gerne auf Deinen Rat vertrauen, denn wie schon festgestellt, liegen wir geschmacklich doch meist nah beieinander :-). Vielleicht taucht es ja demnächst auf Deinem Blog auf…

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    • Jaja, das habe ich mir schon gedacht. 😀
      Ich weiß, mir geht es da ähnlich. Ich suche ja schon immer so im Stillen einen Monatsfavoriten heraus, also darf ich am Ende aus 12 Büchern wählen und das ist nur die Spitze des Eisbergs, weil es noch mindestens 20 andere Bücher gibt, die es auch verdient hätten.
      Aber es kann ja nur eines geben! >o<
      Oooh, BDSM, meine Passion. 😀 Welches ist es denn, vielleicht kann ich dir ja schon mal eine kleine Einschätzung abgeben, weil die nächste Rezension in diesem Bereich kommt erst Ende Oktober.

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  3. Von T.C. Jayden „Blinder Zorn“. Kalte Ketten und Riley Bacon kenne ich und hatte kein Problem damit. Aber es gab vor Veröffentlichung von „Blinder Zorn“ eine „Warnung“ der Autorin, das es wohl noch etwas härter zugehen soll. Nun habe ich echt ein Problem, denn Sadisten mag ich halt mal gar nicht und dieser Staatsanwalt (war er in Kalte Ketten schon) soll echt noch härter drauf sein. Kennst Du es vielleicht schon?

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    • Ja, ich kenne das schon und naja… für mich ist das kein Buch über BDSM. Für mich ist das ein Thriller, in dem die Protas ab und an mal ihre BDSM-Beziehung ausleben. Aber im Prinzip steht im Mittelpunkt, wie Riley und Liam entführt und gefoltert werden und das wird teilweise auch beschrieben und ist echt nicht schön. Aber wenn du schon mit hartem BDSM Probleme hast, ist vielleicht richtige Folter… nicht so das wahre? Keine Ahnung. Ich fand es trotzdem nicht schlecht und durchaus lesenswert. Man muss es halt abkönnen.
      Wenn es jetzt aber nur um die BDSM-Szenen selbst geht, fand ich da jetzt nichts dabei, was jetzt total krass oder so gewesen wäre.

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  4. Mit „Kalte Ketten“ konnte ich gut leben. Es geht mir nicht um das BDSM-Thema – hier kann ich gut damit leben, dass wenn zwei das Gleiche wollen… (und das in jedem Bereich) – aber mit Sadisten habe ich echt Probleme, d.h. Menschen die anderen Schmerzen ohne deren Einverständnis zufügen, einfach nur um zu quälen. Gute S/M oder auch BDSM Romanzen sind was tolles. A.C. Lelis hat da ja auch was im Programm – tolle Bücher. Aber quälen nur um zu ??? ja was? Jemanden zu erniedrigen? Denn damit hat es in dem Buch ja wohl eher zu tun, oder? Dann lieber nicht…

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    • Ja, damit hat es in dem Buch zu tun. Also der Großteil dessen besteht daraus und einer meiner wesentlichen Kritikpunkte ist, dass es dominiert und BDSM dagegen kaum vorhanden ist. Ich muss ja gestehen, ich lese sowas eigentlich ganz gerne. Also so Psycho und Sadisten und so. Ich weiß nicht, das ist ein bisschen wie ein Horrorfilm und sowas mag ich dann schon. 😀 Und wenn man sowas mag, ist das Buch genial. Nur, wenn man es halt gar nicht mag, dann wird man nicht viel Freude damit haben, weil eben nicht viel anders darin vorkommt. Also ja, dann lieber nicht.

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  5. Na dann rutscht es einfach weiter nach hinten, viel weiter 🙂 Danke für Deinen Rat.
    Jetzt kommt dann erstmal „[Off]Switch“ von A.C. Lelis dran und „Das graue Halsband“ habe ich ja auch noch hier liegen… Du siehst, mir wird nicht langweilig werden :-).
    Ich schau auch mal wieder bei Dir rein, was es Neues gibt – d.h. man liest sich.
    viele Grüße El Ma

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    • Ja, [Off]Switch kommt bei mir auch als nächstes dran. 😀 Da können wir uns ja beide auf etwas freuen.
      Und „Das graue Halsband“ wirst du sicher mögen, ich fand es einfach nur wunderbar!
      Ich bei dir sicher auch. 😀 Bis dahin,
      Liebe Grüße

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  6. 1 x noch (sorry)… kennst Du eigentlich die Seite xtme.de ? Dort werden jeden Abend kostenlose oder stark vergünstigte Bücher vorgestellt, die meist bei *a* angeboten werden. Da sind auch oft Thriller oder Dark … (irgendwas) Bücher dabei (die ich zwar nicht lese, aber vielleicht ist ja für Dich ab und an was dabei).
    Ab und zu gibt es auf der adult-Seite nicht nur Hetero sondern auch Gay-Bücher in deutsch und englisch. LG

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