„Das graue Halsband“ – H.B. Pattskyn

Das graue Halsband

Klappentext
Jason Kennly muss sich das graue Halsband einfach näher ansehen, das er bei einer Science-Fiction-Messe im Verkaufsraum entdeckt hat, obwohl er es sich von seinem knappen Studentenbudget auf keinen Fall leisten kann. Aber anschauen kostet ja schließlich nichts. Doch dann entdeckt er etwas, was er sich sogar noch dringender wünscht als das graue Halsband: den Besitzer des Lederwarenstandes, Henry Durand, der darauf besteht, dass Jason das Halsband anprobiert. Als Henry Jason bittet, sich ihm für eine Bondage-Demo als Model zur Verfügung zu stellen, stimmt Jason trotz seiner mangelnden Erfahrung als Sub zu und verbringt letztendlich ein unverbindliches Wochenende damit, zusammen mit einem praktisch völlig fremden Mann seine „perverse“ Seite zu erforschen.

Dann ist die Messe vorbei, Jason und Henry gehen ihrer getrennten Wege, und das wirkliche Leben beginnt wieder. Mit seiner Identität als devoter Mann und Masochist klarzukommen, fällt Jason nicht leicht. Plötzlich muss er sich Ängsten, Zweifeln und einer besten Freundin stellen, die alles tun würde, um ihn von „diesem widerlichen Typen“ weg und wieder mit dem Exfreund zusammenzubringen, der ihn links liegen lassen hat. Jason möchte nichts weiter, als mit Henry zusammenzusein – aber was, wenn das bedeutet, dass er sein Sklave werden muss?

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Und wieder habe ich ein Buch gelesen, das ich bereits kurz nach seinem Erscheinen gekauft und dann auf dem Reader habe schlummern lassen. Warum ich „Das graue Halsband“ so stiefmütterlich behandelt habe, kann ich heute gar nicht mehr sagen, doch das ging mir in der Vergangenheit ja mit anderen Büchern – die mich dann umgehauen haben – auch schon so.
Da ich in letzter Zeit immer häufiger über das Thema BDSM gestolpert bin, habe ich mich in der Vergangenheit schon über diverse Bücher (z.B. von T.C. Jayden, A.C. Lelis und einigen mehr) her gemacht. All diese Bücher sind eine Leseempfehlung wert – keine Frage, ich hätte sie aber – mit dem Wissen von heute – lieber erst nach „Das graue Halsband“ lesen wollen. Nicht weil irgendetwas an den genannten Büchern „falsch“ ist, sondern weil einige davon doch relativ „kühle“ Sessions beschreiben, bei denen der typische Romance-Leser eben genau diese „Romantik“ vermisst. Mittlerweile habe ich gelernt, dass es Pairings gibt, die, wenn sie in einer Session sind, eben genau diese Emotionen außen vor lassen und „privates“ von den „Sitzungen“ trennen – eine Vorstellung, die mir vom persönlichen Verständnis bzgl. einer Partnerschaft sehr schwer fiel.
Das ich das Buch überhaupt gelesen habe, habe ich Jules zu verdanken. Er hat auf seinem Blog doch schon so einiges über BDSM inkl. diverser Rezensionen (die zu „Das graue Halsband“ findet ihr hier) zu Büchern aus diesem Genre geschrieben und hat mir – nachdem er für mich, bei Rückfragen zu diesem Thema, immer ein offenes Ohr hatte – dieses Buch ans Herz gelegt, da mir bei vielen anderen Büchern einfach das „Gefühl“ gefehlt hat. Mit eben dieser Empfehlung hat er mir den Glauben daran, dass BDSM eben nicht nur „mechanisch“ ist und eine Technik „abarbeitet“, zurückgegeben. Es geht eben sehr wohl auch mit Gefühl und Zärtlichkeit 🙂

„Das graue Halsband“ ist bisher das meiner Meinung nach beste Buch, das ich zum Themenbereich BDSM lesen durfte. H.B. Pattskyn erzählt so ganz nebenbei, dass man als Neuling in diesem Bereich unsicher sein darf, dass Lesen von „Technik“-Büchern alleine nicht genügt und das blindes Vertrauen keine gute Startposition ist, um sich einem „Master“ auszuliefern. Gleichzeitig beschreibt sie aber auch, dass ein „Master“ eine Riesenverantwortung für seinen „Boy“ (ich fand diesen Ausdruck so liebevoll 😉 ) hat, aber halt auch nicht davor gefeit ist, Fehler zu machen, die durchaus auch zu traumatischen Erfahrungen für den devoten Partner führen können.
Eben genau diese Kombination „Verlangen, Vertrauen, Gefühle und Emotionen“ in diesem Buch haben mir „den Glauben“ daran zurückgegeben, dass BDSM nicht nur „Handlung“ ist. Für mich gehören – wenn man nicht in einen Club geht und nur einmal eine Session haben will – unbedingt zwischenmenschliche Gesten dazu. Dies hat die Autorin wunderbar rübergebracht 🙂

Sie erzählt aber auch, welch Vorurteile dadurch geschürt werden, wenn gewaltbereite Menschen/Schläger, unter dem Deckmantel BDSM, einfach nur ihr Gewaltpotential ausleben.

Jason und Henry sind ein tolles Pairing, ich kann jetzt nicht sagen, wer mir lieber war, wobei ich beide zwischendurch gerne mal geschüttelt hätte *g*. Jason, ist der devote, unentschlossene und bequeme junge Mann, der sich seinem Schicksal ergeben hat und sich darin suhlt. Das er auch anders kann und er mit seinen Aufgaben wächst, ist eine Entwicklung in diesem Buch, die mir persönlich sehr gut gefallen hat. Von Henry erfährt man im Laufe des Buches ein bisschen mehr, aber eigentlich bleibt sein Hintergrund lange im Dunkeln und so richtig tief wird auf ihn auch nicht wirklich eingegangen. Da die Geschichte ja aus Jasons Sicht erzählt wird, passen die Informationen, die man über Henry erhält durchaus.

Zwischen den beiden Hauptprotagonisten gibt es Gefühle, dies spürt man beim Lesen, und genau dadurch wurde diese Geschichte für mich greifbar. Wie diese sich entwickeln und wie die beiden damit umgehen wird von der Autorin sehr gut und teils sehr intensiv erzählt.

Mit Jasons Freunden und Familie tat ich mich etwas schwer. Wie ich seine BF Kendra einordnen soll, weiß ich auch nach Beendigung des Buches nicht, aber hier hat Jason die meiner Meinung nach richtige Entscheidung getroffen. Sein On-/Off-Freund ist… ohne Worte.

Ob jemand in einer BDSM-Beziehung auch als Sklave leben will, muss er selbst entscheiden. H.B. Pattskyn hat einen Weg aufgezeigt, wie eine Entwicklung sein kann. Auch das ein vermeintlich schwacher Sub (denn das sind Subs mMn keinesfalls, genauso wenig wie Bottoms immer passiv sein müssen 😉 ) durchaus eine eigene Meinung haben kann/darf/soll und dass der handelnde „Master“ eine Riesenverantwortung für seinen „Boy“ hat, bringt sie sehr gut rüber.

Das Weiche besiegt das Harte, das Schwache triumphiert über das Starke.
                                                                                                    Laotse

Ich ziehe meinen Hut vor dieser gelungenen Darstellung einer BDSM-Beziehung und würde jedem, der einen Einstieg in dieses Buchgenre sucht, dieses Buch wärmstens empfehlen, denn es zeigt – wie gesagt – auf, dass es nicht nur eine rein technische Abwicklung von Abläufen ist, sondern es sehr wohl mit Zärtlichkeit, Verständnis, Wärme und Zuneigung einhergehen kann.

Ein winzig kleines Manko hat dieses Buch dennoch: Es hört einfach auf…
Vielleicht gibt es ja doch noch irgendwann eine Sidestory, eine Parallelgeschichte aus der Sicht von Henry (seine Sicht hätte mich auch sehr interessiert & welche Rolle spielt Derrik?), in der man dann auch eine Art Epilog (… nach sechs Monaten, einem Jahr) ergänzen kann. Keine Frage, die Geschichte ist „fertig“ und dennoch… man will mehr *g*.

Fàilte

El Ma

 

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 884 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 283 Seiten
Verlag: Dreamspinner Press (21. April 2015)
Preis:   €  5,14  (Kauf = klick aufs Bild)

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