„Sutphin Boulevard (Fünf Stadtbezirke 1)“ – Santino Hassell

Klappentext
Ein Titel der Fünf Stadtbezirke Serie

Michael Rodriguez und Nunzio Medici sind seit zwei Jahrzehnten Freunde. Sie haben alles miteinander geteilt; vom Verlassen ihrer gestörten Familien im Scherbenviertel von South Jamaica in Queens, bis hin zum Unterrichten in einer der schwulenfreundlichsten Schulen in Brooklyn. Zumindest dachten sie so, bis eine schwüle Nacht des Tanzens zu einer unerwarteten Begegnung führt, die für immer ihre Freundschaft verändert.

Jetzt sind beiläufige Berührungen und verweilende Blicke mit sexueller Spannung überladen, und Michael kann das Gefühl der Hände seines besten Freundes auf ihm nicht vergessen. Als es sowohl im Beruf als auch zuhause zu Problemen kommt, sucht Michael immer wieder Vergessen in der ungezwungenen Intimität und dem überwältigenden Sex, die er bei Nunzio findet. Aber die Dinge bleiben nicht lange so einfach.

Als Michaels Welt anfängt, unter einer Flut aus Tragödie und Komplikationen zusammenzustürzen, weiß er, dass er eine Entscheidung treffen muss: Erlösung auf dem Weg der Selbstzerstörung finden oder die Liebe des Mannes zu akzeptieren, der seit zwanzig Jahren an seiner Seite ist.

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Ab und zu fällt es mir wirklich schwer, für ein Buch die passenden Worte zu finden …

Eigentlich wollte ich ja Band 2 „Sunset Park“ lesen, das am Dienstag erschienen ist, aber nach den ersten paar Seiten, hatte ich das Gefühl, dass das ohne eben diesen ersten Band für mich nicht funktionieren würde, obwohl mir versichert wurde, dass man die Bücher auch unabhängig voneinander lesen könne. Dafür bin ich dann aber doch zu sehr Buch-Serien-Junkie. Ich liebe es, Charaktere immer wieder zu treffen und mögliche Verbindungen zu knüpfen und somit … schwups landete auch Buch 1 auf meinem Reader *g*.

Selten habe ich ein Buch gelesen, dass so aus dem „Leben gegriffen“ geschrieben wurde. Egal ob Aktionen oder Reaktionen der Protagonisten, alles kam für mich absolut greifbar rüber. Michaels Elternhaus war eigentlich eine Katastrophe, die nur durch die Mutter immer wieder mit einem gefühlten „heile Welt“ Deckchen zugedeckt wurde. Durch einen eisernen Willen, einem unglaublichen Selbsterhaltungstrieb und seinem guten Freund Nunzio gelang es ihm, sich zumindest körperlich aus diesem Milieu zu entfernen, auch wenn er sich vom Kopf her noch lange nicht davon gelöst hat. Dies kommt, bedingt durch den Tod des Vaters, ganz deutlich und ziemlich „brutal“ zum Vorschein.
Was passiert, wenn plötzlich all die verborgenen Ängste hochkochen, sich die Gefühle zu seinem besten Freund verändern und die so mühsam aufrecht erhaltene, gut bürgerliche Fassade zusammenbricht, erfahren wir sehr direkt und in einem – meiner Meinung nach – erstklassigen und sehr realistischen Schreibstil. Santino Hassell schafft es, dass man meint, alle Gegebenheiten direkt mitzuerleben, er zeigt auf, wie schnell es nach unten gehen kann, obwohl man sich alle Chancen und einen eigentlich sicheren Lebensstandard erarbeitet hat. Er gibt einem zudem das Gefühl, dass er weiß von was er schreibt. Selten habe ich ein so intensives Buch gelesen, selten war ich während eines Buches so angespannt, dass ich es immer mal wieder aus der Hand legen musste, um selbst wieder Luft zu holen. Und doch ist es ein Buch, das einem die Hoffnung gibt, dass wenn man etwas wirklich will, es auch schaffen kann – gerne auch mit Hilfe des besten Freundes.

Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.
Winston Churchill

Sicherlich fragt ihr euch, ob es denn so gar keinen „Kritikpunkt“ an dieser Geschichte gibt. Doch, einen habe ich: Manchmal war mir Michael etwas zu labil, was für mich dann doch im Widerspruch zu seinem erreichten Status stand. Ich denke aber, dass uns hier jeder Psychologe einen stundenlangen Vortrag über Kindheit, Lebensumstände und Verdrängung halten wird …
UND, mir kam Nunzio eindeutig zu kurz, denn auch er hat eine ziemlich bescheidene Kindheit hinter sich gebracht und gerne hätte ich mehr über ihn erfahren, da er mir auf den „ersten Satz“ sympathisch war 🙂

Ob ich eine Leseempfehlung für dieses Buch aussprechen will – ja, unbedingt.
Ob es eine Geschichte – so mal für zwischendurch – ist – nein, keinesfalls, dafür ist sie meiner Meinung nach zu intensiv.
Ob die Geschichte so im wirklichen Leben stattfinden kann – auf jeden Fall, sie ist uns näher als wir uns wahrscheinlich eingestehen wollen.

Nun freue ich mich auf Band 2, in dem es um Michaels kleinen Bruder Raymond geht. Der Klappentext liest sich vielversprechend, zumal man ihn hier in diesem Buch schon mal ein bisschen kennenlernen durfte.

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Ein Kommentar zu “„Sutphin Boulevard (Fünf Stadtbezirke 1)“ – Santino Hassell

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