„In Erfüllung seiner Pflicht“ – Mathilda Grace

Klappentext
Gefallen in Erfüllung seiner Pflicht. Das dachte Garrett Wilks zumindest, als sein für tot erklärter Verlobter, der Marine Tyler Mason, plötzlich quicklebendig vor seiner Tür steht. Jahrelang hat Garrett um Tyler getrauert. Jahrelang hat er Kade McQueen verflucht, der ihm die Nachricht von Tylers Tod überbrachte und gleichzeitig dessen bester Freund war. Heute haben sich beide Männer ein gemeinsames Leben aufgebaut, das mit Tylers Auftauchen auf den Kopf gestellt wird. Garrett und Kade sind mit der Situation vollkommen überfordert und Tylers auffälliges Verhalten macht ihnen schnell deutlich, dass es mehr brauchen wird als Medikamente und Besuche bei einem Traumatherapeuten, damit Tyler das, was ihm in seiner fünfjährigen Gefangenschaft angetan wurde, überstehen kann.

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Meine erste Reaktion nach diesem Buch? Zumachen, tiiiiief Luft holen, Taschentücher wegbringen, Schnaps trinken und sacken lassen.

Mich hat die Geschichte wirklich gefesselt und mitgenommen und das in jeglicher Hinsicht (die ersten Taschentücher habe ich bereits im ersten Kapitel gebraucht). Lang hat Garrett Wilks gebraucht, um über den Tod seines Verlobten hinweg zu kommen. Tylers bester Freund Kade war in dieser schweren Zeit stets für Garrett da und irgendwann wurde aus diesem Beistand Freundschaft und letztendlich Liebe, denn für diese beiden Männer ging das Leben ja weiter, bis … ja bis …

… Tyler vor der Tür steht. Mathilda Grace schreibt sehr anschaulich, wie Garrett und Kade sich um ihren Freund kümmern und wie dessen Zustand ihre eigene Beziehung belastet. Sie stoßen alle an ihre Grenzen. Die einen müssen loslassen, denn was nicht freiwillig passiert, wird nicht zum Erfolg führen, der andere läuft weg, weil er mit den Gegebenheiten eines „normalen Lebens“ nicht mehr zurecht kommt.
Zu lesen, was mit Tyler passiert, jeder Schritt, jeder Nackenschlag, der ihn wieder zurückwirft, hat mich Kraft gekostet. Aber jeder kleine Erfolg hat mir auch ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Zu wissen, dass zwar die Geschichte Fiktion ist, aber das eigentliche „Thema“ dahinter heute noch tagtäglich wirklich passiert und existiert, lässt mir eine Gänsehaut aufstehen.

Bis es dann zum – für alle – wohlverdienten Happy End kommt, müssen viele kleine Schritte getan, müssen „Eiertänze“ überstanden werden. Oftmals waren es die „normalen“ Kleinigkeiten, die beim Weitergehen geholfen haben. Hier eine Begegnung mit einem Hund, da ein Eis oder etwas Schokolade und und und …
Garrett und Kade merken, dass sie nicht alleine sind. Ihre Freunde, ihre Familie und ein Arzt, der zum Freund wird, sind für sie da.
Und … alte „Freunde“ aus der Ostküstenreihe finden Erwähnung 😉 – hier habe ich breit grinsen müssen 😀

Und – wie die Faust auf’s Auge – passend zum Thema „The Boss“ mit einem Titel, der leider allzu oft völlig falsch interpretiert wurde

Mathilda Grace erzählt „nur“ eine Geschichte, diese ist aber so intensiv, dass ich sie nicht einfach so beiseite legen kann. Drum – wer will – darf nachfolgend mit meinen persönlichen Gedanken leben. Wer keine Lust drauf hat, ist hier dann fertig.

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Persönliche Erinnerungen, die ich lange Zeit vergessen hatte und die beim Lesen dieses Buches wieder hochkamen:

Vor vielen, vielen Jahren, als ich noch richtig jung war, hat meine Oma immer erzählt, wie es Familien ergangen ist, als in Gefangenschaft geratene oder für tot gehaltene Männer, Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs wieder „nach Hause“ kamen. Damals konnte ich das nicht wirklich verstehen, denn was sagte uns schon das Wort „Krieg“. Wie hätten wir uns vorstellen können, das Väter die nach Hause kamen plötzlich fremde Männer waren, dass da nicht mehr der Geliebte, der in den Krieg gezogen ist, nach Hause kam, sondern ein gebrochener Mann, der seinen Platz im Leben verloren hatte und diesen auch so schnell nicht wieder finden sollte.
Später dann, als die ersten (in den USA produzierten) „verherrlichenden“ und voll Heldentaten strotzenden Kriegsfilme in die Kinos kamen, konnte man sich doch gar nicht vorstellen, dass das bei jemandem Spuren hinterlassen könnte, denn diese Helden haben nicht gelitten …

Als ich dann so mit Anfang/Mitte 20 hier bei uns ein Pärchen kennengelernt habe (sie Deutsche, er US-Soldat) war das eine für mich völlig neue Erfahrung und heute im Nachhinein bewundere ich seine Frau immer noch dafür, dass sie es mit ihm „ausgehalten“ hat. Als ich sie kennengelernt habe, war er gerade 2 Jahre aus dem Irakkrieg wieder da, immer noch im aktiven Dienst und hat nach wie vor einen hervorragenden Job gemacht. All dies innerhalb der Army. Zuhause aber hat er die Stille, das Gedankenkarussell nicht ertragen. Ich habe diesen wunderbaren Mann nicht einmal nüchtern erlebt 😠. Als ich ihn gefragt habe, warum er trinkt, sagte er zu mir, dass er anders sein Gewissen und seine Gedanken nicht ruhig bekommt. Tja, das ist viele Jahre her. Die Army hat sich für diesen Soldaten nicht wirklich interessiert und auch nichts hinterfragt. Er hat funktioniert – gut war’s. Wie er mit sich und seiner Vergangenheit zurechtkam … scheinbar nicht deren Problem. Gut, dachte ich, ist schließlich doch einige (viele) Jahre her, soziale Verantwortung war „damals“ noch nicht wirklich ein Thema. Aber, da ich ein chronisch neugieriger Mensch bin, google ich auch während oder nach einer Geschichte mal das eine oder andere. Was ich da so gefunden habe, erschreckt mich ungemein. Denn so wie Mathilda Grace es (be)schreibt, werden in den USA immer noch viele Soldaten nach einem traumatischen Kriegs“erlebnis“ einfach abgefunden, abgeschoben und mit ihrem Schicksal alleine gelassen. Mit viel Glück haben sie Familie, die sich um sie kümmert oder ihnen wenigstens einen Weg aufzeigt. Meist ist es aber nicht viel anders, als noch vor 70 Jahren, entweder zerbrechen Familien oder aber eben dieser einzelne Mensch.
Aber, und da müssen wir gar keine anderen Militärnationen hervorholen, auch in Deutschland ist es noch gar nicht so lange her, dass man sich dieser traumatisierten Soldaten wirklich angenommen hat. Wen es interessiert, der kann hier einen sehr persönlichen Erfahrungsbericht eines deutschen Bundeswehrsoldaten lesen.

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Ein Kommentar zu “„In Erfüllung seiner Pflicht“ – Mathilda Grace

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