Buchbesprechung: „In deinen Schuhen“ – Adora Belle

In deinen Schuhen

Klappentext
Lukas erwartet nicht mehr viel vom Leben, obwohl er erst 24 ist. Sein Problem: er ist fett. Fetter jedenfalls, als man in der schwulen Szene sein darf. Deshalb vergräbt er sich auch lieber in seiner winzigen Wohnung vor dem Computer.

Als er sich dann eines Tages doch aufrafft und einen Club besucht, endet das Ganze in einem Desaster aus Demütigung und Spott. Und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, begegnet Lukas auf dem anschließenden Heimweg auch noch einem Typen im pinken Glitzerdress und mit blonder Langhaarperücke, der doch tatsächlich hartnäckig behauptet, er wäre (s)eine gute Fee!

In bester Feenmanier will er Lukas einen Herzenswunsch erfüllen, aber das, was Lukas schließlich in schierer Verzweiflung von ihm erbittet, zieht weitere Kreise als geahnt …

(Anmerkung der Autorin: Mir ist bewusst, dass viele, durchaus zu Recht, die Bezeichnung „Transe“ als abwertend empfinden und deshalb nicht gerne sehen, wenn sie verwendet wird. Im vorliegenden Buch passiert genau das an einigen Stellen, allerdings aus gutem Grund. Ich versuche mich beim Schreiben, insbesondere bei Dialogen oder Gedankengängen der Protagonisten, in sie einzufühlen und ihr jeweiliges Befinden oder ihre Persönlichkeit auch in dem auszudrücken, was sie denken oder sagen. Und meiner persönlichen Erfahrung nach denkt man häufig genug anders, als man sich – und sei es nur aus Gründen der ‚political correctness‘ – verbal äußert. Wenn also im vorliegenden Buch das oben angeführte Wort verwendet wird, geschieht das nicht abwertend, oder um transsexuelle Menschen zu verunglimpfen. Ich habe mir jedes einzelne Mal die Entscheidung nicht einfach gemacht und bitte daher um Nachsicht!)

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Gleich mal vorne weg: liebe Adora Belle, mich hat der Ausdruck „Transe“ in diesem Buch überhaupt nicht gestört. Er war wohldosiert eingesetzt und hinterließ bei mir aufgrund der netten Beschreibung der Fee nie das Gefühl pikiert die Augenbrauen heben zu müssen.

Mir standen einige Male die Tränen in den Augen, als ich in die Gefühlswelt von Lukas eingetaucht bin und seine eigene Selbstkasteiung miterleben musste/durfte. Diese Geschichte hat (wieder einmal) gezeigt, dass seelische Qualen/Mobbing (z.T. sehr subtil) ausgeübt von Eltern, Mitschülern und auch von Fremden denen von körperlicher Gewalt durchaus gleichzusetzen sind. Da man dies aber ja nicht sieht…

Die Autorin schafft es sehr eindringlich das Seelenleben von Lukas darzustellen und seine Gedankengänge – die sich in seinem eigenen „Hamsterrad“ drehen – sehr überzeugend zu übermitteln. Als er – nach einem ersten, mehr als unschönen, Zusammentreffen – wieder auf Steffen trifft, reagiert er (verständlicherweise) ungläubig, harsch und ablehnend. Er braucht lange, bis er ihn überhaupt in seinen „Wohlfühlbereich“ hineinlässt und stößt ihn auch dann immer wieder von sich. Lukas lernt, dass ihm nicht jeder Böses will und dass es durchaus auch Menschen gibt, die Freundschaften mit ihm schließen können und wollen.
Lange Zeit hatte ich das Gefühl, dass er sich durch sein geringes Selbstbewusstsein sein Leben selbst zerstören könnte und habe mich am Schluss sehr über das Happy End gefreut.

„In deinen Schuhen“ zeigt auf, dass man Wünsche sehr wohlüberlegt äußern sollte – wer weiß wohin sie führen können -, aber auch, dass man sein Leben selbst in der Hand hat, dass das Leben und die Liebe immer „Arbeit“ macht und kein Selbstläufer ist und dass man doch bitte auch mal hinter die Fassade schauen sollte.

Dieses Buch ist keine „Zuckerromanze“, obwohl es einige Passagen hat, die einem ein glückliches „hach“ entlocken – allerdings habe ich mindestens genauso oft ein Taschentuch benötigt.

Ich kann für dieses Buch – obwohl es dem Leser des Öfteren einen Spiegel über die Oberflächlichkeit im Miteinander vorhält – eine volle Leseempfehlung aussprechen :-).

Fàilte

El Ma

 

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 1178 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 238 Seiten
Verlag: BookRix (18. November 2015)
Preis:   € 4,49  (Kauf = klick aufs Bild)