„Like a Dream“ eine Benefizanthologie – Herausgeberin Juliane Seidel

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Ich tue mir immer sehr schwer damit, ein Review über Anthologien zu schreiben, da meist mindestens eine Geschichte dabei ist, die einem nicht so gut gefällt, die eben nicht dem persönlichen Lieblingsgenre entspricht oder bei der es einem sehr schwer fällt, die richtigen Worte zu finden – es ist für mich normalerweise keine Option, eben diese eine Geschichte dann einfach unter den Tisch fallen zu lassen, da ja eben genau diese das Highlight eines anderen Lesers sein könnte . Von daher lasse ich es meist einfach ganz…

Ich habe mir lange überlegt, wie ich es gestalten könnte, damit es mir leichter fällt, über meinen „Anthologie-Schatten“ zu springen 😉 und werde dies nun einfach ganz kurz und „schmerzlos“ halten.

Gleich vorneweg, es gab Geschichten, die ich so als einzelne nicht gelesen hätte, die mich dann aber dennoch auf eine eigene Art „gefangen“ genommen haben. Von daher kann ich sowohl von der Handlung als auch von der Qualität der Geschichten (sorry, das Wort Geschichte wird diesmal inflationär verwendet werden) jede einzelne empfehlen!

*****

Geschichte 1:  Karo Stein: „Mehr als ein Traum“
eine etwas andere Liebesgeschichte, die zeitliche Rückblicke klasse mit der Gegenwart verbindet, ein toller Einstieg in die Anthologie.

Geschichte 2: Elisa Schwarz: „Träume für Finn“
erschütternd, sensibel und sehr berührend geschrieben und vor allem das Licht am Horizont zeigend. Träume für Finn = Liebe pur.

Geschichte 3: Sabrina Zelezny: „Der unsichtbare Mantel“
mystisch, sehr bildhaft und „greifbar“ geschrieben, kurz: einfach wunderbar  (eines der Highlights für mich in diesem Buch).

Geschichte 4: Jannis Plastargias: „Die Freiheit der Gedanken“
authentisch, berührend, ermutigend und Hoffnung gebend.

Geschichte 5: Bianca Nias: „Like a dream – Unexpected Regrets“
wenn man etwas wirklich will, ist „über seinen Schatten zu springen“ der erste Schritt dahin, auch wenn du fallen könntest. Wenn der andere dich dann auffängt, ist alles gut 😀. Ich mochte diese Geschichte, die ein gutes Gleichgewicht zu manch einer der „schwierigeren Storys“ in diesem Buch schafft.

Geschichte 6: Savannah Lichtenwald: „Ocean Dreams – Die Einsamkeit am Meer“
Nordseefeeling pur, ein bisschen Fantasy, zwei wunderbare Männer – jeder auf seine Art 😀. Macht Lust auf Mee(h)r!

Geschichte 7:  Thomas Pregel: „Unter dem Wasser“
anders als erwartet – dran bleiben lohnt sich, ein lyrischer Blick auf die reale Welt (eine andere, besondere Geschichte)

Geschichte 8: Jobst Marenhorst: „Mein Held“
Kleinigkeiten können viel bewirken, eine eigene Dynamik schaffen und eine ganz eigene Zuversicht verbreiten – wenn man es denn versucht.  (meine Lieblingsgeschichte 😀 )

Dreierlei ist wichtig im Leben:
Erstens: Toleranz. Zweitens: Toleranz. Und drittens: Toleranz
Henry James (1843 – 1916),
US-amerikanischer Erzähler, später englischer Staatsbürger

Geschichte 9: Anna Maske: „Alb Träume“
eine Geschichte, bei der ich Schwierigkeiten hatte reinzukommen, aber dran bleiben lohnt sich :-).

Geschichte 10: Alexa Lor: „Alles Gute zum Geburtstag“
eine klassische Romance, wie aus dem richtigen Leben – toll geschrieben und wie ich gehört habe, so ganz anders als das, was Alexa Lor sonst so schreibt.

Geschichte 11: Florian Tietgen: „Klangfarben der Liebe 1965“
eine wunderschöne, tieftraurige und sehr berührende Geschichte, die uns mit einem Ende zurücklässt, das den beiden Protagonisten alle Möglichkeiten der Welt gibt (zumindest in der damaligen Zeit und in unserer Fantasie).

Geschichte 12: Tanja Meurer: „Bruderliebe“
ein Zwillingspaar mit einer ganz spezielle Beziehung/Bindung und einer überraschenden Wendung, die mich mit einem „mmh, was wäre wenn das wirklich möglich…“ zurückgelassen hat. Für mich eine „bleibende“ Geschichte.

Geschichte 13: Laurent Bach: „Bacha-Bazi“
eine tolle Geschichte auf die man sich einlassen und auch zwischen den Zeilen lesen sollte. Auch eines der Lesehighlights in diesem Buch. Schön, lehrreich und Hoffnung gebend.

Geschichte 14: Leann Porter: „Anam Cara“
eine Geschichte, die das Potential für ein komplettes Buch hätte :-). Das Leben, die Erwartungen anderer und eigene Wünsche treffen aufeinander. Etwas Mystery,  viel Gefühl & Emotion, plus Wünsche & Träume – all das, was eine tolle Story braucht, ist gegeben.

Geschichte 15: Chris P. Rolls: „Lebe deinen Traum“
ich liebe Menschen, die bunt sind und ihr Leben leben, ohne auf die spießige Norm zu achten :-). Von daher hat diese Geschichte voll meinen Nerv getroffen. Es geht um Toleranz, sich selbst finden, zu sich selbst stehen, „über seinen Schatten springen“ und um Liebe, egal was die anderen sagen. „Lebe deinen Traum“ ist eher die klassische Romance, aber wie alle Stories in diesem Buch, eine mit Tiefgang – wenn man denn zwischen den Zeilen liest.

Geschichte 16: Juliane Seidel: „Zwillingstraum“
mit Nazar und Kiama hat Juliane zwei Protagonisten geschaffen, von denen ich nur schwer genug bekomme. In der Benefiz-Anthologie „Zusammen finden“ habe ich die beiden kennengelernt und habe mich sehr über ein erneutes Treffen hier in dieser Anthologie gefreut. Wegen mir kann es mit den beiden gerne weitergehen – auch ausführlicher *g*

*****

Von mir gibt es für diese Anthologie auf jeden Fall eine volle Lese- und Kaufempfehlung. Wie eingangs erwähnt, hätte ich ein paar der Geschichten so wahrscheinlich nicht gelesen, mein „darauf einlassen“ war gut und richtig. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich echt etwas verpasst, wenn ich sie nicht gelesen hätte.

Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts.
                Johann Wolfgang von Goethe

Lasst es Euch gut gehen!

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Kaufen könnt ihr das eBook hier und das Taschenbuch hier. Der Erlös der Anthologie geht an das Mainzer LSBTI-Zentrum „LBSK e.V.“, das nicht nur mit der „Bar jeder Sicht“ einen Treffpunkt in Mainz geschaffen hat, sondern auch zahlreiche Gruppen und Vereine unterstützt.
Das Taschenbuch hat 424 Seiten (und jede davon lohnt sich).

„Herbst, Handicap und heiße Herzen“ – Anthologie

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Autoren & Autorinnen
Sissi Kaipurgay – Handicap oder nur Brett vorm Kopf?
1. Jayden Leander – Lautlos ins Glück
2. AnBiÖz – Schwankend ins Glück – Oder Nicht?
3. Ani Rid – (K)eine Frage des Alters
4. E. R. Thaler – Two Spirits
5. Karo Stein – Picknick mit Mr. Right
6. Màili Cavanagh – Kreuzwege
7. Savannah Lichtenwald – Brittle life
8. Marie Chaos – Geliebter Feind
9. Sitala Helki – Wem du vertraust
10. Mary R. Smith – Blind Dinner
11. Angie Snow – Ein völlig neues Leben
12. Bernd Schroeder – Wir sehen uns dann morgen
13. Alexa Lor – Gekauft?!
14. Mia Grieg – Dunkle Seiten
15. Ani Rid – Schännieh Dunkelstrauch – Schuld-Gefühle
Zugabe: Sissi Kaipurgay – Fetisch: Kronjuwelen
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Persönliche Worte der Nudel*
Zum dritten Mal in diesem Jahr spenden Autorinnen und Autoren Storys für den guten Zweck. Diesmal stand das Thema Handicap, neben Herbst und heißen Herzen, im Vordergrund. Anfangs konnten viele gerade dem Hauptthema ‚Behinderung‘ nicht viel abgewinnen. Umso schöner ist es, dass zahlreiche gute Ideen bei mir eintrudelten. Ich danke allen Spendern von Geschichten und vorab schon mal denen, die das Buch kaufen und damit dem Projekt überhaupt zu Erfolg verhelfen. Zudem allen, die fleißig korrigiert haben. Jedem, der irgendwie Anteil daran hat, dass dieses Projekt zustande kommt, ein Dankeschön.
Die Erlöse gehen wieder an die Schwestern der perpetuellen Indulgenz in Berlin. Hier der link, falls sich jemand für deren Arbeit interessiert. http://www.indulgenz.de/
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  1. Ich bin platt! Was sich die Autoren zu diesem sicherlich nicht einfachen Thema haben einfallen lassen… Ich ziehe meinen Hut davor.
  2. Jede einzelne Geschichte war es Wert gelesen zu werden. Es war keine einzige dabei, bei der ich mir gedacht habe „och nee…“
  3. Ich habe mich beim Lesen des Öfteren gefragt, wie ich reagiert hätte – und ganz ehrlich? Ich weiß es nicht…

Die überwiegende Anzahl der Geschichten erzählen von sichtbaren Handicaps – diese können wir uns vor Augen führen, eine Reaktion zeigen (oder auch nicht) – denn meistens (wenn überhaupt) reagieren wir doch nur auf eine Situation und agieren nicht – teils weil wir Hemmungen haben, teils weil wir Angst haben etwas falsch zu machen und teils weil wir emotional einfach hilflos sind. Dabei haben wir doch ein denkendes und fühlendes „Wesen“ vor uns, das man (eigentlich) nur nach seinen „Bedürfnissen“ fragen müsste, aber…
Ganz zu schweigen, wenn dann der Gedanke hochkommt, was andere von uns (mit einem gehandicapten Partner an der Seite) denken könnten… Ehrlich? Sch… egal, denn es ist völlig „umps“ was andere von uns denken. Denn wenn es drauf ankommt, können wir es eh nicht beeinflussen und haben uns dennoch unser Leben lang wegen anderen verbogen…

Der andere Teil erzählt von Handicaps/Erkrankungen, die man eben nicht sieht. Von Erkrankungen die den Betroffenen in der Lebensqualität (extrem) einschränken; von seelische Blockaden die nie gelöst wurden, weil nicht darüber gesprochen wurde und an denen man(n) durchaus zerbrechen kann (vergesst nicht, es ist noch gar nicht so lange her, da war es noch nicht „chic“ einen Therapeuten zu haben) .

Ich liebe es, aus gelesenen Geschichten „etwas“ mitzunehmen – sei es ein positives Fazit oder ein bemerkenswerter Satz. In diesem Fall war es ein Zitat, welches mir spontan nach Beendigung dieses Buches einfiel:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Antoine de Saint-Exupéry (Werk: Der Kleine Prinz)

Diesen Satz sollten wir uns alle immer wieder mal vor Augen führen und uns wenigstens ab und zu hinter die ganze Oberflächlichkeit unserer Welt schauen lassen.

In diesem Sinne seid gegrüßt, lest dieses Buch mit all den unterschiedlichen Geschichten. Es ist bestimmt für jeden etwas dabei.

Von mir – für Euch Autoren

♥ ♥ ♥ ♥ ♥ !

fàilte

El Ma                                                                                                                  

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 1931 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 456 Seiten
Preis:  € 7,99   (und für mich jeden Cent wert)

*) Die Nudel der HomoSchmuddelNudeln