„Black Hawk Tattoo“ – Aundrea Singer

Klappentext
Gabe Navarro, Künstler aus Toronto, verbringt die meiste Zeit mit Tätowieren und seinem Masterstudium. Er ist sich seiner Überzeugung und künstlerischen Integrität völlig sicher und naiv genug, zu glauben, dass er niemals einen Kompromiss eingehen muss – bis der Irakveteran Jake MacLean in seinem Tattoostudio aufkreuzt.

Wütend und mit dem Schuldbewusstsein des Überlebenden ist Jake in einem Teufelskreis gefangen, der ihn zwingt, für Sünden zu büßen, die er sich selbst niemals wird vergeben können. Verzweifelt versucht er, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, und zieht zunächst zu seiner Schwester nach Toronto. Niemals hätte er erwartet, dort Gabes Charme zu verfallen.

Obwohl Jakes beharrliches Schweigen über seine Zeit im Irak Gabe frustriert, glaubt er lieber Jakes Beteuerungen, es ginge ihm gut, als der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Doch schnell wird klar, dass Jake seine Panikattacken nicht kontrollieren kann, und dass sich sein Zustand verschlimmert. Jake steuert geradewegs auf den Abgrund zu – und läuft Gefahr, Gabe mit sich zu ziehen, wenn dieser es nicht schafft, ihm im Kampf gegen seine Dämonen beizustehen.

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Puhhh, manchmal gibt es Geschichten, da lohnt es sich einfach dran zu bleiben. Ich habe bis 70% des Buches darauf gewartet, dass es zum großen Knall kommt. Das Jake eine wandelnde Zeitbombe ist, war eigentlich vom ersten Kapitel an klar. Das Liebe blind macht, weiß man auch, so dass man bedingt Verständnis für Gabe aufbringen kann. Zwischendurch hatte ich aber auch das Gefühl, dass er eigentlich  nicht wirklich wissen will, was mit Jake los ist.

Als es dann tatsächlich nach dem großen Knall zum Showdown kommt, habe ich, etwas erstaunt über Gabes soziale Kompetenz, verwundert die Augenbrauen gehoben. Irgendwie ist er in dieser Situation dann doch über sich hinausgewachsen. Wo diese Empathie plötzlich herkam, erschloss ich mir nicht so ganz, dennoch empfand ich seine Seite von ihm sehr hilfreich für die Gesamtsituation.

Mitgefühl ist das Verständnis des Herzens.
© Helga Schäferling  (*1957), deutsche Sozialpädagogin

Trotz dieses meiner Meinung nach komplexen Themas, ist es eine ruhige Geschichte, die ein bisschen an der Oberfläche eines PTSD kratzt. Lange liest man einfach nur wie sich die Beziehung zwischen Jake und Gabe entwickelt. Leider erfährt man zu wenig (oder wenn erst sehr spät), wer, wie und warum so gehandelt hat, wie gehandelt wurde.

Schön beschrieben ist das Umfeld von Gabe und Jake. Hier gibt es wunderbare Nebenprotagonisten die sich wirklich gut in die Geschichte einfügen und jede(r) von ihnen den richtigen „Platz“ einnimmt. Einzig Jakes Armyvergangenheit, als „Sanitäter/Helfer“ bleibt wirklich blaß. Kann es wirklich sein, dass niemand aus dieser Zeit (explizit sei hier Skites erwähnt, der mMn zumindest in irgendeiner Form Erwähnung – ausser in einem kurzen Satz – finden sollte) mit ihm in Verbindung geblieben ist? Keine weiteren Kollegen, kein Vorgesetzter zeigt in irgendeiner Form wenigstens ein bisschen Interesse an ihm? Hier klärt auch der Epilog nicht wirklich auf, was mich dann doch ein wenig enttäuscht hat.

Das die US-Army und auch die Regierung nicht wirklich Interesse daran hat, Soldaten, die an PTSD leiden, aufzufangen, ist leider hinlänglich bekannt. Entweder Soldaten funktionieren oder sie sind untauglich (ganz ehrlich, ich finde dies schlicht menschenverachtend). Es wird in diesem Buch allerdings nur ganz oberflächlich daran geschrammt, so dass man nicht wirklich einen Blick hinter die Kulissen bekommt und mit den vorgegebenen Tatsachen leben muss. Man erfährt leider auch nicht, ob Jake einfach keine Hilfe wollte, keine angeboten bekam, oder … Aber auch, als er sich dann ENDLICH Hilfe sucht, wird dies viel zu wenig thematisiert.

„Black Hawk Tattoo“ basiert auf einem sehr schwierigen Thema, welches leider immer nur ein wenig gestreift wurde. Es fällt mir, auch im Nachhinein, persönlich schwer, hier nur die Romanze zu sehen, die die Geschichte wohl sein soll. Vielleicht stört/verwundert den einen oder anderen diese Rezension, aber ich kann hier nicht einfach nur sagen, dass es eine sich gut entwickelnde Story ohne wenn und aber ist, hier muss ich einfach meinen „Senf“ dazugeben. Schwierige Themen bedürfen einer besonderen Behandlung, dies ist hier – für meinen Geschmack – nur bedingt gegeben. Sollten andere Leser das Thema Kriegstrauma wirklich nur als gegebenen „Hintergrund“ sehen können, dürfen sie sich auf eine schöne Geschichte freuen.

Um diesem Buch 5* zu geben, ist es mir an einigen wichtigen Stellen zu oberflächlich geblieben, für „nur“ 3* aber im Gesamten zu gut geschrieben.

Bis bald,

El Ma

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