„Missbraucht“ – Jamie Fessenden

Klappentext
Derek Sawyer ist überzeugt, alles zu haben: einen gut bezahlten Job, einen Freund, einen Hund und sogar ein Haus am See. Dann bringt eine Geschäftsreise mit seinem Vorgesetzten und besten Freund, Victor, seine Welt zum Einsturz.

Nach einer feuchtfröhlichen Nacht kommt es in ihrem Hotelzimmer zum schlimmsten Ereignis in Dereks Leben. Und als ob es nicht schon erniedrigend genug wäre, jeden Tag mit dem Täter zusammenarbeiten zu müssen, zeigt Victor Derek wegen sexueller Belästigung an. Jetzt hat er keinen Job und keinen Freund mehr, außerdem wird die Rate für das Haus am See fällig.

Officer Russ Thomas hat schon vorher mit Vergewaltigungsopfern zu tun gehabt. Daher braucht er nicht lange, um die Wahrheit herauszufinden. Mit seiner Hilfe zeigt Derek das Verbrechen Monate später schließlich doch noch bei der Polizei an. Durch einstweilige Verfügungen und Anwälte wird Victors Wut auf ihn noch weiter angestachelt. Zwischen Derek und Russ, dem Polizisten, bahnt sich eine Beziehung an, doch Russ kann Derek nicht ständig beschützen.

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Puh … das wird kein ganz einfaches Review für mich.
(im Nachspann habe ich – weil mich das Buch doch im Nachgang sehr beschäftigt hat – einige persönliche Anmerkungen eingefügt sowie ein paar Links für Seiten die Hilfe anbieten – wen dies nicht interessiert, hört einfach nach dem Artikel auf)

Bisher kannte ich von Jamie Fessenden nur sein Buch „Mord auf dem Berg„, das mir richtig gut gefallen hatte. Der Schreibstil war toll und die Krimihandlung hat sogar mich als nicht krimiaffine Leserin bei sich behalten, also dachte ich mir, wenn das „erste“ Buch nicht schlecht war …

Mir war beim Lesen des Klappentextes klar, dass es sicherlich kein einfaches Buch sein würde und obwohl man sich in Gedanken wappnet, wird man (zumindest ist es mir so ergangen) von den Ereignissen und den damit verbundenen Emotionen kalt erwischt.

Jamie Fessenden geht mit dem Thema „Vergewaltigung unter Männern“ sehr gewissenhaft um, einzig die Aufarbeitung (sich wieder einlassen auf eine neue Beziehung, Traumatabehandlung usw.) ging mir persönlich etwas schnell und zu einfach – aber ja, jeder Mensch ist anders…
Nur aus diesem Grund gibt es nicht die komplett volle Punktzahl.

Derek ist meiner Meinung nach kein schwacher, aber ein sehr angepasster Mann, der es gerne harmonisch hat und aus war diesem Grund (einen anderen konnte ich mir nur schwer vorstellen), zu Beginn der Geschichte, noch mit seinem – mir sehr unsympathischen – Freund zusammen. Gefühlt für mich, einfach nur deswegen, damit er nicht alleine ist. Er hat sich die Beziehung rosa gefärbt, so dass er sich darin wohlfühlen konnte, auch wenn die Tatsachen eigentlich dagegensprachen.
Ebenso wie die Freundschaft zu Victor (… Derek hat wirklich ein Händchen für A***löcher), die nur Bestand hatte, weil Derek sich eben angepasst hatte.
Für mich war Derek so kompatibel mit allen und allem, dass er gar nicht gemerkt hat, wie er sich selbst dabei verloren hat. Dazu passt dann auch, dass er die Schuld bei sich und nicht beim Täter gesucht hat – das sich dies ändert, passiert erst nach und nach und durch Russ‘ Beistand. Denn Derek glaubt, dass er sich in dieser Nacht, die sein komplettes Leben aus den Angeln gehoben hat, nicht wie ein „Mann“ verhalten hat. Ein Mann hat sich schließlich zu wehren!
Nicht genug, dass Victor Derek auf das Widerlichste zu einem Opfer gemacht hat, nein, auch im Nachhinein versucht dieser, in durchaus perfiden Schritten, Dereks Leben zu zerstören. Einmal angeschlagen ist Derek nicht mehr in der Lage, wirklich gegen diese Situation anzugehen.

Tja, und nun kommt die Fiktion einer Geschichte dazu. Derek trifft auf Russ, der als Polizist bereits Erfahrung mit Vergewaltigungsopfern hat. Schnell merkt dieser, dass etwas, und nach und nach auch was, mit Derek nicht „stimmt“. Russ‘ einfühlsame Art und Weise hilft Derek, sich im Laufe der Zeit zu stabilisieren, zu wehren und zurück in ein relativ normales Leben zu finden.
Das ist das Schöne an Geschichten. Man kann sie so schreiben, dass es am Ende allen gut geht. Dem Leser, dem Betroffenen und auch den „Angehörigen“.

Fazit:  Die Geschichte kann man trotz des harten und schwierigen Themas gut lesen, da die Tat zwar vorkommt, aber nicht bis ins kleinste Detail geschildert wird und eher der psychologische Moment in dieser Szene zum Tragen kommt. Der Rest ist ziemlich stimmig, auch wenn mir persönlich, wie schon gesagt, die Regeneration etwas schnell und komplikationslos ging – aber wie bereits angemerkt, es ist eine Geschichte und eine gute noch dazu.

Jamie Fessenden hat mich aber auf jeden Fall wieder durch seinen Schreibstil überzeugt und könnte sich, wenn er so „weitermacht“, auf meiner „dieser Autor geht immer“-Liste richtig fest einnisten :-).

Bis bald,

El Ma

Weitere Meinungen zu der Geschichte findet ihr in Matty Schmökerecke und bei Risa (Goodreads).

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„Mord auf dem Berg“ – Jamie Fessenden

mord-auf-dem-berg

Klappentext
Als Jesse Morales, frischgebackener College-Absolvent und angehender Krimiautor, sich auf eine Woche als Helfer im Observatorium des Mount Washington einlässt, rechnet er mit harter Arbeit. Womit er nicht rechnet, ist die Leiche, die er zwischen den Felsen im Nebel findet. Der Mann entpuppt sich als der junge Tourist Stuart Warren, für den ein Ausflug auf den Berg mit seinen Freunden tödlich endete.

Der verwitwete Polizist Kyle Dubois wird mit seinem Partner Wesley Roberts mitten in der Nacht zum Schauplatz des Verbrechens gerufen. Obwohl sich Jesse und er augenblicklich voneinander angezogen fühlen, fällt es Kyle schwer, einen so jungen Mann mit einer Vorliebe für Kriminalfälle ernst zu nehmen. Jedoch gelingt es Jesse bald, sich nützlich zu machen, indem er sich ein Zimmer im Hotel der Angehörigen und Freunde sucht, um sich unter sie zu mischen. Was er dort erfährt, könnte bei der Lösung des Falles helfen – oder ihn das Leben kosten.

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Ist euch das auch schon passiert, ihr fangt an ein Buch zu lesen und denkt euch schon auf den ersten Seiten, boah die Protagonisten gehen gar nicht oder mein Gott sind die süß oder aber auch so wie hier, dass man in ein Buch – so wie in seine Lieblingsjogginghose – hineinschlüpft, sich wohl fühlt und die Hauptcharaktere mag. Einfach so, ohne dass man es an irgendetwas festmachen kann oder die Charaktere bis dahin irgendetwas groß dafür getan haben 😀. Genau das ist hier passiert. Egal ob Jesse oder Kyle, die beiden sind grundsympathische Männer, die sich auf den ersten Blick hin zueinander hingezogen fühlen.

“Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick?” – Das spart eine Menge Zeit.”
aus „Nachts unterwegs“

Da ist Kyle, der still für sich immer noch um seine Frau trauert und bis er auf Jesse trifft, sich noch nicht wirklich mit der Möglichkeit einer neuen Partnerschaft beschäftigt hatte. Er ist überrascht, als sich beim ersten Blick auf Jesse seine alten und lange versteckten „Gelüste“ auf einen Mann wieder bemerkbar machen.

“Dein Herz ist frei, hab den Mut ihm zu folgen.”
aus „Braveheart“

Jesse ist ein junger Mann, der seinen Weg noch sucht und für sein Leben gerne Krimiautor werden möchte. Als er oben auf dem Berg das erste Mal auf Kyle trifft, ist er fasziniert von diesem Mann, dass dieser auch noch Detektive bei der Polizei ist, ist das Sahnehäubchen obenauf für ihn.

Ich bin kein großer Fan von Kriminalromanen, aber dieser Plot trägt einen so selbstverständlich durch diese Geschichte, dass man gar nicht drüber nachdenkt, dass man dieses Genre eigentlich gar nicht mag *g*. Wie gesagt, diese beiden Männer gleichen vieles aus 😀.

Als Kyle dann den „Mord am Berg“ aufklären muss, kommt dies für Jesse wie gesagt in zweierlei Hinsicht wie gerufen. Zuerst einmal darf er in der Nähe dieses tollen Mannes bleiben und dann ist da ja auch noch dieser Mordfall, den er sehr gut für seine Hintergrundrecherche „brauchen“ kann. Als er sich jedoch immer weiter in diese Geschichte und den Täterkreis hineinbegibt, gerät er selbst in Gefahr 😟.

Die Geschichte ist klasse erzählt, die einzelnen Protagonisten wirklich hervorragend beschrieben und der Handlungsstrang (soweit ich das als Krimi-Laie beurteilen kann) sehr gut aufgebaut – inkl. einem sehr guten Spannungsbogen.

Zwei klitzekleine Kleinigkeiten hätte ich aber dennoch anzumerken *g*. Doch, es gibt ein Happy End und es gibt einen Epilog. Dieser ist wirklich nett, aber nicht das, was ich gerne gelesen hätte… Jahaaa, ich weiß, ich bin nervig ;-), aber ich hätte zu gerne gewusst (so vielleicht ein Jahr später) ob Jesse es wirklich geschafft hat, seinen Krimi zu veröffentlichen und das zweite ist, sooo oft, wie Kyle betont hat, dass er „wesentlich“ älter ist als Jesse, wäre ich fast mal schreiend von meinem Reader weggelaufen. Manchmal dachte ich er wäre Mitte 4o und nicht grade mal 30 Jahre alt.

Tja, normalerweise gäbe das Abzüge in der B-Note ;-), aber Kyle hätte bei mir noch ganz andere Sachen anstellen dürfen, ich hätte sie ihm verziehen 💜

Ein besonderes Augenmerk möchte ich auf die Tatsache legen, dass Kyle ja schon einmal verheiratet war und zwar mit einer Frau. Ich fand es toll, wie selbstverständlich in dieser Geschichte mit dem Thema Bi-Sexualität umgegangen wurde. Es war – außer Kyles Bedenken, was der Kollege dazu sagen würde, dass er jetzt einen Mann gut findet – kein großes Thema zwischen ihm und Jesse.

“I don’t understand the hatred and fear of gays and bisexuals and lesbians…
it’s a concept I honestly cannot grasp.
To me, it’s not who you love – a man, a woman, what have you…
it’s the fact that you love. That is all that truly matters.”

Al Pacino

Ach ja, leider gibt es noch keine weiteren übersetzten Geschichten von Jamie Fessenden, aber ich habe noch drei Originale von ihm auf dem Reader,  die – nachdem mir sein Schreibstil sehr gut gefällt – gleich mal auf die „muss ich lesen“-Liste geschoben werden. (Herr, lass Lesezeit vom Himmel regnen 😉)

Eine weitere Meinungen zu dem Buch findet ihr in Mattys Schmökerecke.

 

In diesem Sinne

El Ma

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