„Rattlesnake“ – Kim Fielding

Klappentext *)
Zwischen dem Landstreicher Jimmy und dem Barmann Shane fliegen die Funken. Aber wird Jimmy um Shanes Willen dem Ruf der Straße widerstehen können?

Jimmy Dorsett ist schon seit seiner Jugend auf der Straße unterwegs, ohne Heim und ohne Hoffnung. Er besitzt nicht viel: eine Reisetasche, ungezählte Geschichten aus einem unsteten Leben und eine alte Rostschüssel von Auto. In einer kalten Nacht nimmt er in der Wüste einen Anhalter mit, der ihm etwas Unverhofftes hinterlässt – nämlich den Brief eines sterbenden Mannes an den Sohn, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Jimmy will den Brief bei seinem Adressaten abliefern und landet in Rattlesnake, einer kleinen Stadt in den Hügeln der kalifornischen Sierra. Im Zentrum der Stadt befindet sich das Rattlesnake Inn, wo der frühere Cowboy Shane Little als Barmann arbeitet. Zwischen den beiden Männern fliegen die Funken, und als Jimmys Auto den Geist aufgibt, besorgt ihm Shane im Rattlesnake Inn einen Job als Handwerker.

In der Gemeinschaft der kleinen Stadt und in Shanes Armen findet Jimmy eine ungewohnte Ruhe. Aber das kann nicht von Dauer sein. Die Straße ruft und Shane – ein starker, stolzer Mann mit einer leidvollen Vergangenheit und einer komplizierten Gegenwart – hat mehr verdient als einen verlogenen Landstreicher, der es nirgends lange aushält.

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Wenn man Jimmys Geschichte gelesen hat, dann weiß man erst mal wieder, wie gut es einem selbst geht. Seit seinem sechzehnten Lebensjahr ist er auf der Straße unterwegs. Mehr recht als schlecht kommt er durchs Leben und hat dabei gelernt, dass es nichts gibt, an das man sein Herz hängen sollte bzw. für das man viel Geld ausgibt, denn irgendwann ist eh alles wieder weg. Wie oft Jimmy bei Null angefangen hat, kann er gar nicht mehr zählen. An keinem Ort wollte er länger bleiben, denn um die nächste Ecke könnte die Welt schöner und das Gras grüner sein …

Was er allerdings nicht verloren hat, ist sein gutes Herz und seine Hilfsbereitschaft und genau die ist Schuld, dass er das „Abenteuer“ seines Lebens erleben wird.

Als er mit seiner alten Klapperkiste wieder einmal unterwegs war, sammelt er unterwegs einen Landstreicher ein, der dann ausgerechnet in seinem Auto stirbt und ihm einen Zettel hinterlässt. Als er erfährt, wer der Empfänger sein sollte und wo dieser lebt, macht er sich auf den Weg, dieses Erbe abzugeben. Als er jedoch in dem kleinen Städtchen Rattlesnake auf Shane trifft, verändert sich sein Leben.
Shane hinkt, trägt Narben und ist auch sonst nicht unbedingt vom Glück gesegnet. Aber er wird geliebt. Seine Familie ist ohne Wenn und Aber für ihn da und beschützt ihn mit allem, was ihnen zur Verfügung steht. Jimmy ist fasziniert von Shane und nimmt den Job an, der ihm in Rattlesnake angeboten wird.

Zu lesen, wie diese beiden, vom Leben gebeutelten Männer sich finden, füreinander da sind und aneinander wachsen war wunderbar. Je mehr man über sie erfährt, um so mehr muss man sie mögen. Mit jedem Tag verändert sich Jimmy und wie es halt so ist, wenn man selbst betroffen ist, merkt man als Leser viel früher, dass wenn man es mit Liebe betrachtet, das Gras überall grün ist.

Jimmy lernt, dass es Menschen gibt, die nicht nur seine äußere Hülle und das was er vorzugeben scheint, sehen und Shane, dass Narben und seine Handicaps keine Rolle spielen, wenn der richtige vor einem steht.

Kim Fielding hat mit Rattlesnake ein sehr emotionales Buch geschrieben, dass wenn man ein bisschen tiefer schaut, den Leser auch zum Nachdenken über die wirklich wichtigen Dinge im Leben bringen kann.

Kim Fielding kann Bücher schreiben, die berühren. Ich durfte schon ein paar von ihr lesen, u.a. Die Blechdose oder auch Brutus, der Dorftrottel. Ich empfand beide Bücher als bemerkenswerten und emotionalen Lesestoff und kann inkl. Rattlesnake alle uneingeschränkt empfehlen.

Bis bald,

El

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*) Das Copyright für Bild und Klappentext liegt beim Verlag Dreamspinner Press

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„Die Blechdose“ – Kim Fielding

Die Blechdose

Klappentext
William Lyons Vergangenheit hat ihn in eine Rolle gezwängt, die nicht seiner Persönlichkeit entspricht. Als er die Fassade nicht mehr aufrechterhalten kann, trennt er sich von seiner Frau und nimmt eine Stelle als Hausmeister für ein altes Gebäude an, das schon seit Jahren leer steht. Über mehr als hundert Jahre war die psychiatrische Anstalt von Jelley’s Valley die größte Einrichtung ihrer Art in Kalifornien. William hofft, dass er hier die Zeit und Ruhe findet, endlich seine Dissertation zum Abschluss zu bringen und seine Scheidung abzuwarten. Als er in der kleinen Stadt ankommt, lernt er Colby Anderson kennen, der den örtlichen Lebensmittelladen betreibt und sich um das Postamt kümmert. Colby ist, ganz im Gegensatz zu William, ein lebensfroher und liebenswerter junger Mann. Und er ist unverkennbar schwul. Obwohl William sich durch Colbys extravagantes Verhalten zunächst abgestoßen fühlt, lernt er ihre neue Freundschaft mit der Zeit doch zu schätzen, und er nimmt Colbys Angebot an, sich von ihm in die Freuden des schwulen Sex einführen zu lassen.

Williams Selbstverständnis wird auf den Kopf gestellt, als er eine Blechdose findet, die seit den 1940er Jahren in einer Wand des Asyls verborgen war. Die Dose enthält Briefe, die im Geheimen von einem Patienten namens Bill verfasst wurden, der wegen seiner Homosexualität hier eingeliefert wurde. William fühlt sich durch die Briefe unmittelbar angesprochen und beginnt, sich für Bills Schicksal zu interessieren. William hofft, dass die über siebzig Jahre alten Briefe und Colbys Unterstützung ihm dabei helfen können, sein wahres Ich zu finden.

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Oh mein Gott…, was für ein Buch… Dies ist nun schon das zweite, sehr beeindruckende Buch, das ich von Kim Fielding lesen durfte und wieder stieg der Taschentuchverbrauch beim Lesen bestimmter Passagen in ungeahnte Höhen, wobei diese sich mit denen, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern können, gelungen abwechseln.

Berührend, ergreifend, beeindruckend, traurig, emotional, liebevoll und sanft. Mir würden noch viel viel mehr Adjektive zu diesem Buch einfallen und doch würde keines von ihnen als Alleinstellungsmerkmal diesem Buch gerecht werden, denn nur die Summe aus allen gibt für dieses Buch ein kleines „Stimmungsbild“ ab.

Eigentlich dreht sich die Geschichte ja um William und Colby und wird aus der Sicht von William erzählt. William ist ein sehr konservativer Mann, der sein eigentliches Sein immer hinter einer Maske aus Lügen und Verdrängung versteckt hat. Bedingt durch ein zutiefst religiöses und strenges Elternhaus, hat er lernen müssen, dass Homosexualität falsch, krank, pervers und verboten ist. Als er sich als Jugendlicher vor seinen Eltern geoutet hat, wurde er von diesen in „Behandlung“ gegeben – dies verfolgt ihn auch heute noch. William hat gelernt, seine persönlichen Bedürfnisse immer hintenan zu stellen und den Normen zu entsprechen. Dies funktioniert so lange, bis er sich aufgrund einer privaten Entscheidung in die Einliegerwohnung einer ehemaligen Klinik für psychisch Kranke in Jelley’s Valley als „Hausmeister“ zurückzieht, um dort seine Dissertation zu schreiben. Gleich zu Beginn seines Aufenthaltes trifft er auf Colby. Colby ist ein unglaublich sympathischer, fröhlicher, intelligenter und geouteter junger Mann, der es versteht, nach und nach William das „verschluckte Lineal“ aus dem Kreuz zu ziehen.

William verändert sich im Laufe der Zeit. Er wird in Bezug auf seine Homosexualität entspannter und offener. Hieran ist Colby zu einem ganz großen Teil beteiligt, aber auch die Entdeckung einer Blechdose mit darin enthaltenen Briefen trägt zu dieser Entwicklung bei. Mit dieser Entdeckung kommen wir zur (für mein Empfinden) eigentlichen „Hauptperson“ dieses Buches:  Bill.

Bill erzählt in mehreren Briefen über seinen bewegenden, traurigen und schmerzhaften Aufenthalt in der Klinik. Diese Briefe und der Besuch eines Fotografen bringen William mit Colbys Hilfe dazu, das unendlich traurige Schicksal Bills und vieler anderer Patienten in der „JV-Klinik“ zu recherchieren.

Obwohl Bill mit seiner Lebensgeschichte so viele traurige Emotionen weckt (und mich beim Schreiben dieses Reviews schon wieder die Tränen überwältigen), schafft es Kim Fielding mit der Liebesgeschichte um William und Colby ein gutes Gleichgewicht zu schaffen, so dass man sich trotz des ganzen Leids, das geschildert wird, nicht in der Trauer um Bill verliert. Ja, man leidet mit Bill, aber man freut sich über jeden von Williams Fortschritten und verliebt sich in Colby, aufgrund seines sonnigen Gemüts und seiner fürsorglichen Art, von Kapitel zu Kapitel mehr :-).

Und ein kleiner Tipp an alle Leser, die gerne mal mit dem Ende eines Buches beginnen: Lasst es in diesem Fall sein. Das Ende ist perfekt und würde – wenn man es vorab liest – zum einen keine wirkliche Hilfestellung bzgl. eines Happy Ends geben und zum anderen den wirklich wundervollen Abschluss des Buches kaputt machen.

Wie auch beim letzten Buch „Brutus, der Dorftrottel“ reichen die maximalen 5 💜 hier nicht aus. Vielleicht sollte ich speziell für solche Bücher die Kategorie „Fielding 💜“ gründen 😉

„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“
                                                                                 Berthold Brecht

Fàilte El Ma

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 785 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 229 Seiten
Verlag: Dreamspinner Press (8. September 2014)
Preis:   €  6,49   (Kauf = klick aufs Bild)

Buchbesprechung: „Brutus, der Dorftrottel“ – Kim Fielding

Brutus

Klappentext
Brutus führt ein einsames Leben in einer Welt, in der Magie nichts Ungewöhnliches ist. Er ist über zwei Meter groß, hässlich, und stammt aus einer Familie von schlechtem Ruf. Niemand, er selbst eingeschlossen, hält ihn für gut genug, mehr als nur Knochenarbeit zu verrichten. Aber Heldentum kommt in allen Formen und Größen. Als er bei der Rettung eines Prinzen schwer verletzt wird, ändert sich sein Leben schlagartig. Er wird in den Palast von Tellomer gerufen, um als Wärter für einen Gefangenen zu dienen. Das hört sich recht einfach an, stellt sich aber als die größte Bewährungsprobe seines bisherigen Lebens heraus.

Wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, ist Gray Leynham ein Hexer und Verräter. Sicher ist nur, dass er Jahre im Elend verbracht hat: blind, in Ketten gelegt und nahezu stumm durch sein fürchterliches Stottern. Und er träumt vom Tod anderer Menschen. Träume, die sich bewahrheiten.

Brutus gewöhnt sich an das Leben im Palast und lernt Gray kennen. Er entdeckt dabei seinen eigenen Wert – erst als Freund, dann als Mann, und schließlich als Geliebter. Brutus lernt auch, dass Helden manchmal vor schwierige Entscheidungen gestellt werden und dass es nicht ungefährlich ist, die richtige Entscheidung zu treffen.

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Und wieder einmal hat mich ein Buch – das auf den ersten Blick, vielleicht auch bedingt durch den Titel, erst einmal nicht so viel her macht – zutiefst berührt. Schon gleich im ersten Kapitel hat Kim Fielding es geschafft, dass mich Brutus‘ Schicksal zu Tränen gerührt hat.
Auch in einer Welt, in der es keinerlei technische Errungenschaften oder Zeitungen gibt, die einem vorgaukeln könnten, was gerade schön und angesagt ist, haben Menschen Vorurteile.
Brutus ist groß, unbeholfen, hässlich und dumm. Es wurde ihm solange eingeredet, dass er es mittlerweile selbst glaubt und verinnerlicht hat. Niemand sieht sein großes Herz, nennt ihn bei seinem wirklichen Namen oder will wissen wie es ihm geht und wie er sich fühlt, denn er ist ja nur das „Arbeitstier“ und der Dorftrottel, bis…

Und wieder einmal bewahrheitet sich der Spruch, sei zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und dein Leben nimmt einen besseren Verlauf. Brutus rettet den Prinzen und verletzt sich dabei selbst schwer. Prinz Alfrid ist Brutus sehr dankbar und kümmert sich darum, dass er wieder gesund werden kann und legt mit einem Schreiben, dass er Brutus überreicht, den Grundstein für ein neues Leben.

In diesem neuen Leben, lernt er Gray kennen und trotz seiner Vorgeschichte und Handicaps lieben. Bis er dies erkennt, lernt er vieles über sich selbst, seinen Wert und auch, dass er gar nicht so dumm und schrecklich ist, wie ihm alle immer versucht haben weiß zu machen.
Man muss diesen riesigen Kerl einfach in sein Herz schließen und da Gray blind ist, kann er dies auch ohne Vorbehalte und mit „sehendem“ Herzen.

Die Geschichte von Brutus und Gray ist wunderbar geschrieben. Man kann sich beim Lesen so richtig hineinfallen lassen und hofft, bangt, leidet und freut sich mit den beiden Männern. Brutus lernt, dass man ihn „einfach so“ akzeptiert und mag wie er ist. Er findet Freunde und endlich auch Freude am Leben. Viele richtige Entscheidungen fällt er gefühlt aus dem Bauch heraus und doch hat er sie auf irgendeine Art und Weise (meist) gut durchdacht.

Mir fällt es schwer, meine Gefühle für dieses Buch auf den Punkt zu bringen. Ich habe während des Lesens viele Tränen vergossen, mich aber auch über so viele Kleinigkeiten freuen können, dass ich jetzt nicht einfach sagen könnte: „es war ein trauriges Buch“ oder aber „es war eine schöne Lovestory“. Aber dadurch, dass das Buch einige Facetten aufzuweisen hat die tiefer gehen, kann ich auf jeden Fall sagen: Für mich war es ein besonderes Buch!
Aus diesem Grund kann und möchte ich diese Geschichte eigentlich nicht wie gehabt bewerten. Aber wenn ich müsste, würde ich weit mehr als die 5 💜 vergeben.

Welch eine himmlische Empfindung ist es, seinem Herzen zu folgen.
                                                                  Johann Wolfgang von Goethe

 

Fàilte El Ma

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 1583 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 275 Seiten
Verlag: Dreamspinner Press; Auflage: 1 (29. März 2016)
Preis:  € 3,99  (Kauf = klick aufs Bild)