Buchbesprechung: „Lichtblick“ – Lisa Worrall

Lichtblick

Klappentext
Nachdem er bei einem tragischen Unfall nicht nur sein Augenlicht, sondern auch die Liebe seines Freundes Alec verloren hat, will sich Josh fremden Menschen gegenüber nie wieder öffnen. Als seine Freunde Greg und Mario ihn jedoch in ein Blindencamp schleppen und er auf den Campleiter Charlie trifft, gerät dieser Entschluss gehörig ins Wanken und er versucht, das Herz des anderen Mannes für sich zu gewinnen. Charlie hat selbst mit seiner Vergangenheit zu kämpfen und versucht verzweifelt, sich gegen Joshs Avancen zu wehren. Doch ihre Gefühle sind ein Lichtblick, dem sich auch Charlie nicht lange entziehen kann…

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Gleich vorneweg möchte ich festhalten, dass ich Autoren, die Bücher mit und über Menschen mit Handicap schreiben, sehr zu schätzen weiß.
Hier gibt es mit Josh nicht nur einen Protagonisten, der sein Sehvermögen verloren hat, nein, auch Charlie hat mit Problemen hinsichtlich einer Augenerkrankung zu kämpfen. Zudem werden auch immer wieder – bedingt durch Charlies Umfeld – andere Sehbehinderte mit in die Geschichte integriert.

Beide Männer haben bedingt durch ihre Erkrankung sehr schlechte Erfahrungen mit Expartnern hinter sich, aber gleichzeitig auch sehr gute Freunde, die immer für die beiden da waren und immer noch sind. Einige dieser Freunde sind meiner Meinung nach aber so beschützend, ja fast einengend, dass es mir des Öfteren negativ aufgestoßen ist.

Wir haben hier eine ruhige Geschichte, die sich schön entwickelt. Allerdings haben mich des Öfteren die sprunghaften Gedanken und Handlungen Charlies verwirrt. Das ein oder andere Mal hatte ich das Gefühl, ich habe irgendetwas nicht mitbekommen, weil er gerade eben „noch nicht will“ und es im anderen Moment aber tut (Beispiel? siehe unten – aber Achtung Spoiler). Beim ersten Mal habe ich noch zurückgeblättert, um zu schauen, ob ich nicht wirklich etwas überlesen habe – aber nein…
Die beiden Männer sind toll. Jeder für sich und auch miteinander und trotzdem konnte ich mit Charlies sprunghafter Art des Öfteren nur schwer etwas anfangen. Vielleicht hätte die Autorin die Geschichte ein bisschen „langsamer“ schreiben sollen. Ein paar Seiten (zwischen einigen Ereignissen) mehr, hätten der Geschichte eventuell gut getan.
Man kann spüren, wie sich die Gefühle der beiden entwickeln, dennoch habe ich mich zwischendurch gefragt, wie alt die beiden sind. Klar kann einen der Verlust des Augenlichts irrational werden lassen, aber so impulsiv, verstockt und bockig wie Charlie sich manchmal gibt…?
Charlie hat seine Familie und auch seine Freunde immer in alles mit einbezogen, allerdings kam mir deren Rolle während der „großen Krise“ sehr unbedeutend vor, was so somit nicht wirklich zum sonstigen Verhalten passt.
Mario, einer von Josh besten Freunden, der ihn immer so sehr betüddelt hat, dass man ihn manchmal am liebsten geschüttelt hätte und ihm sagen wollte, dass Josh zwar eine Behinderung hat, aber doch kein Kleinkind mehr ist, schaut sich über zwei Monate mit an, wie dieser vor sich hinvegetiert, bis er explodiert? – auch dies hat mich nicht ganz überzeugt.

Ich kann bei diesem Buch nicht festmachen, was mir „gefehlt“ hat, um es für mich zu einem richtig guten Buch hat werden zu lassen. Die Geschichte ist gut, der Plot hat was, aber einige Charaktere selbst… – vielleicht liegt es daran? Tut mir leid, ich kann hier den Finger nicht direkt in die Wunde legen, denn ich weiß nicht, wo ich sie finden soll. Ich mag Charlie, ich mag Josh und auch ihre Freunde sind (eigentlich) toll, wenn auch manchmal etwas zu viel des Guten.
Ich mochte die Idee mit dem Feriencamp für Sicht- und Sehbehinderte, ich fand auch die Beschreibung der Landschaft rund um das Camp sehr gut und last but not least, auch die Sexszenen sind gut und sehr liebevoll beschrieben und dennoch…  .

Ich habe gesehen, dass viele die Geschichte sehr gut fanden und das ist auch gut so, denn all das was ich nicht „festmachen“ konnte, hat andere Leser scheinbar nicht gestört. Dies ist eines der Dinge, die ich an Büchern mag. Sie hinterlassen bei jedem einen anderen Eindruck und malen für jeden andere Bilder im Kopf. Drum, lasst euch erst einmal auf jede Geschichte ein, Erfahrungen – egal in welche Richtung – könnt ihr nur selbst machen 🙂

Fàilte

El Ma


Format:
Kindle Edition
Dateigröße: 3499 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 172 Seiten
Verlag: Cursed Verlag (21. Oktober 2015)
Preis:  €   5,99   (Kauf = klick aufs Bild)

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Achtung Spoiler:
Kaum sagt sich Charlie, dass Josh nichts für ihn ist, steht er schon vor dessen Tür und f***t ihm das Gehirn raus. Kaum sagt er sich, dass Abstand das Beste für ihn und vor allem für Josh ist, steht er wieder vor seiner Tür und geht ihm an die Wäsche. – Hier wären ein paar Gedankengänge mehr für mich sehr wohltuend gewesen. So hatte ich, wie gesagt, immer das Gefühl etwas nicht mitbekommen zu haben.

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